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Teil 2: Mentale Fallstricke

Der Weg zu einem Agilen Mindset führt über unseren mentalen Autopiloten. D. h. solange sich unser Gehirn mit den gleichen Denk- und Verhaltensmustern beschäftigt und darin keine Abwechslung empfindet, schaltet es auf Autopilot. Das ist hilfreich beim Zähne putzen, Auto fahren, gehen, essen etc. Hierdurch werden Ressourcen verfügbar, die wir zur gleichen Zeit für andere (Denk-)Prozesse einsetzen können. Da unser Gehirn jedoch größtenteils außerhalb unserer bewussten Wahrnehmung arbeitet – vergleichbar mit der Atmung – ist uns nicht einmal bewusst, wie automatisch sich unser Denken vollzieht. So werden wir achtlos darüber, wie wir aufgrund dieses Denkens handeln bzw. entscheiden. Und bevor wir es merken, stolpern wir über mentale Fallstricke – gewohnte Denk- und Handlungsweisen, in denen wir uns nur allzu leicht verfangen.

Davon gibt es sieben an der Zahl:

  1. Schwarzmalerei – der Chef schaut Sie nicht an und Sie denken, die Kündigung steht vor der Tür.
  2. Vorschnelles Schlussfolgern – Sie wollen mit der Bahn in Urlaub und schon hoffen Sie auch rechtzeitig anzukommen – ohne Verspätung.
  3. Tunneldenken – Sie kennen bestimmt den Satz: „..das haben wir schon immer so gemacht!“ Hier wird ein Ziel verfolgt, indem der eine bekannte Weg gegangen wird. Ob rechts und links des Weges Chancen der Verbesserung liegen wird ignoriert.
  4. Die Bestätigungsfalle – jemand beschreibt Ihnen den neuen Kollegen als eingebildet und Sie (Ihr Gehirn) werden noch vor dem ersten Treffen nach Fakten suchen, weshalb diese Beurteilung richtig ist.
  5. Die Konformitätsfalle – Kennen Sie die Geschichte von „Des Kaisers neue Kleider“? Gerne richten Menschen ihr Denken am Denken anderer Leute aus. Sehr gut zu beobachteten, wo sozial erwünscht kommuniziert wird, um gut dazustehen bzw. für gute Beziehungen zu sorgen.
  6. Die Versunkene Kosten-Falle – Sie haben den Job gewechselt, sind dafür umgezogen und haben noch viele andere Anstrengungen dafür unternommen. Nach kurzer Zeit ist Ihnen die Stelle zu wider, sie bleiben aber, da der Aufwand ja so groß war, das alles möglich zu machen. Hier wird unbewusst die Gegenwart von der Vergangenheit diktiert! In der momentanen politischen Landschaft auch gerne als das „weiter so“ tituliert.
  7. Die Schuldzuweisungsfalle – mit die häufigste mentale Falle und bzgl. Agilem Mindset, die im Business-Kontext an der Tagesordnung ist. Wir schieben die Verantwortung für etwas auf jemanden oder etwas Anderes. Diese ist so verbreitet, da das Gegenteil Verantwortungsübernahme für das eigene Tun bzw. Leben bedeutet. Sehr gut zu beobachten beim Thema glücklich bzw. zufrieden sein [1].

Das Agile Mindset hat somit zwei Ansprüche. Zum einen sich dieser mentalen Fallstricke bewusst zu werden und zum anderen sie konstruktiv zu hinterfragen, um statt dessen nützliche und hilfreiche Gedanken zu entdecken. Im Grunde sich jeder Fragestellung oder Begebenheit gedanklich stets offen und mit Entdeckergeist zu nähern.

Welche Einsatzgebiete, Anwendungsfelder und Methoden in der Praxis existieren bzw. geeignet sind, lesen Sie im dritten Teil zum Thema „Agiles Mindset“.

[1] Hasson, Gill: Achtsamkeit