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Teil 1: Was ist Agiles Mindset?
In der heutigen Zeit werden wir im alltäglichen privaten wie auch beruflichen Leben vermehrt mit Begriffen wie Globalisierung, Digitalisierung, Mobilität, Big Data, Industrie 4.0 etc. konfrontiert. In deren Zusammenhang fällt stets auch der Begriff der Agilität bzw. neudeutsch „Agile“ als ein probater Ansatz, die neuen Herausforderungen zu meistern. Jetzt sind das nicht nur Begriffe wie Eintagsfliegen – im Sinne morgen sind sie nicht mehr da. Nein, diese Begriffe beinhalten umfassende, völlig neuartige, weitreichende Inhalte. Umso wichtiger ist es, sich diesen Themen zu öffnen.

Die Flut, Dichte, Menge und Verfügbarkeit von Daten sowie von Anforderungen bedarf richtigerweise ganz neuer Ansätze in deren Beherrschung und Verarbeitung. Erst dann werden aus Daten auch verwendbare Informationen, um auf Anforderungen reagieren zu können. Um diesen Umbrüchen gerecht zu werden, ist die Welt seit geraumer Zeit versucht, bei der Organisation von Prozessen, Strukturen und Programmen/Strategien neue Wege zu gehen. Die Entwicklung der Fähigkeit „Agilität“ im Business-Umfeld erscheint dabei wie das gelobte Land mit heilbringenden Möglichkeiten und Ansätzen. Das stimmt auch in gewisser Weise. Nur was bei dem ganzen Hype übersehen wird ist, dass das nur die „Hardware“ ist. Die Menschen in den Systemen sind immer noch dieselben, ihre Prägung, ihre Denk- und Handlungsroutinen, ihre Glaubenssätze und Normen und damit ihr (Führungs-)Verhalten. Aha!
Die Heranführung und Entwicklung der Menschen innerhalb der Systeme zu mehr mentaler Agilität ist anspruchsvoller als alles Andere und zugleich lösbar. Die gute Nachricht ist, dass die Natur uns Menschen so ausgestattet hat, dass wir Erfahrungen und damit Prägungen, Denk- und Handlungsroutinen und letztlich unser Verhalten verändern können. Das Stichwort ist Neuroplastizität. D. h. neue Erfahrungen, Annahmen und Lernen neuer Routinen (Handlungsmuster) verändern dabei nicht nur die Verschaltungen zwischen Nervenzellen, sondern sogar übergeordnete anatomische Strukturen. Diese Anpassungsfähigkeit bezeichnet man als Neuro- oder Hirnplastizität und besteht ein Leben lang. D.h. anatomisch sind die Voraussetzungen schon einmal vorhanden, um unser Mindset zu verändern. Nun geht es noch darum, das in die Praxis umzusetzen. Doch bevor ich zu diesem Punkt komme, umreiße ich Ihnen, was aus meiner Erfahrungen heraus, ein Agiles Mindset auszeichnet.

Ein Agiles Mindset ist in meiner Definition eine Denk- bzw. Geisteshaltung, die völlig vorbehaltslos mit den sich kontinuierlich ändernden, äußeren Rahmenbedingungen umgeht. Dabei verstößt es nicht die bisher gemachten Erfahrungen und die vorhandene „Lernbiographie“ des Lebens. Vielmehr integriert es diese und lässt trotzdem die „Schublade“ offen für neue Erkenntnisse und Einordnungen innerhalb der vorhandenen Registratur eigener Lernerfahrungen und Bewertungen. Herausfordernd dabei ist, sich den mentalen Fallstricken bewußt zu werden, die die Landkarte des eigenen Erlebens beschreiben. Diese Fallstricke sind es auch, die es so anspruchsvoll machen, diese Landkarte um neue Elemente zu ergänzen. Dem nicht genug. Dazu kommt, dass ein Agiles Mindset stets darauf fokussiert, was es selbst an Verantwortung trägt, um die jeweilge Situation, bspw. einen Konflikt, zu lösen. D.h. es geht auch um Verantwortungsübernahme für das eigene Tun!

Dazu mehr im nächsten Teil: Agiles Mindset – mentale Fallstricke.